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Woyzeck
Beide Deutungen können nicht zufriedenstellen. Ihre Antwort – zusammengefasst: das soziale Umfeld macht ihn zum psychopathischen Mörder – ist unzureichend. Sie missachten, was Woyzeck aufwühlt. Die Diagnose, dass Woyzeck ein Psychopath sei, wiederholt lediglich das, was die groteske, unmenschliche Figur des Doktors feststellt: „Woyzeck, Er hat die schönste abberratio mentalis, zweite Spezies.“ Betrachtet man die Sätze, die zu diesem Urteil verleiten, dann kann man diese leichtfertig als Wahnsinn abtun. Die Figuren in den Schwämmen, die Woyzeck lesen will, die doppelte Natur, von der er spricht, die Vorstellung, dass „die Natur aus ist“ und zu Spinnweben verrinnt, das Gefühl, dass etwas ist und zugleicht nicht ist – all diese Fragen sind hingegen alles andere als Hirngespinste. Es sind philosophische Fragen, sie gehören zur ersten Frage der Metaphysik, zur Ontologie, mit anderen Worten: Woyzeck stellt die Seinsfrage. Er will wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält, was ist und was nicht ist, was das Ding an sich ist, und was wir von den Dingen wahrnehmen. Ob die Formen der Natur zufällig sind oder Gesetzen gehorchen, die sich wie physikalische Gesetze oder das Genom entziffern lassen. Damit ist Woyzeck auch an den Grundfragen der menschlichen Existenz angelangt. Gehorchen die menschlichen Handlungen einem Muster, einem vorgegebenen Naturgesetz, einem ………
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