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Woyzeck
Büchner vollzieht eine solche würdigende Gesamtschau in dramatischer Form. Sichtbar werden die Demütigungen, die Armut, die Liebe, das Leiden, die Arbeit, die Woyzeck an einen Punkt bringen, der zu der einschlägigen Deutung geführt hat, Woyzeck als ein Opfer seiner Umstände zu betrachten. Alfred Kerr hat diese Sicht bereits 1927 auf den Punkt gebracht, und damit für viele Deutschstunden und Aufführungen die Deutung vorgegeben: „Woyzeck ist der Mensch, auf dem alle rumtrampeln. Somit ein Behandelter, nicht ein Handelnder. Somit ein Kreisel nicht eine Peitsche. Somit ein Opfer nicht ein Täter. Dramengestalt wird sozusagen die Mitwelt – nicht Woyzeck. Kernpunkt wird sozusagen die quälende Menschheit – nicht ihr gequälter Mensch. Bei alle dem bleibt wahr, dass Woyzeck durch seine Machtlosigkeit justament furchtbarsten Einspruch erhebt. Daß er am tiefsten angreift – weil er halt nicht angreifen kann.“
Eine zweite, nicht weniger prominente Interpretation verläuft entlang der medizinischpsychiatrischen Achse. Sie sieht den Woyzeck in erster Linie als künstlerische Antwort auf das Clarus Gutachten, als eine Gegendarstellung, die zeigt, dass Woyzeck eben nicht zurechnungsfähig gewesen sei, dass er – mitverursacht durch seine Lebensumstände – unter psychotischen Zuständen litt, die ihn zum Mörder machten. ………………………………………
Eine zweite, nicht weniger prominente Interpretation verläuft entlang der medizinischpsychiatrischen Achse. Sie sieht den Woyzeck in erster Linie als künstlerische Antwort auf das Clarus Gutachten, als eine Gegendarstellung, die zeigt, dass Woyzeck eben nicht zurechnungsfähig gewesen sei, dass er – mitverursacht durch seine Lebensumstände – unter psychotischen Zuständen litt, die ihn zum Mörder machten. ………………………………………
Dramaturgie
Ausstellung