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Woyzeck

Vorbild, der verarmte Soldat Franz Woyzeck, wurde nach seinem Mord psychologisch begutachtet. Woyzeck wurde für zurechnungsfähig erklärt und am 27. August auf dem Marktplatz in Leipzig hingerichtet. Danach hätte der Fall Woyzeck zu den Akten gelegt werden können. Doch schon früh regten sich Zweifel, ob das Todesurteil gerecht war. Woyzeck wurde zum medizinischpsychologischen Studienobjekt. Auch Büchner hat in der Bibliothek seines Vaters die Zeitschriften studiert, in denen man über den Fall Woyzeck fachsimpelte. Mit Woyzeck stellte sich für Büchner jedoch mehr als nur die Frage seiner Zurechnungsfähigkeit. Der Fall rührte an Büchners Grundfrage, die er in dem berühmten Fatalismusbrief an seine Braut und in Dantons Tod gestellt hatte: „Was ist es, was in uns lügt, hurt, mordet, stiehlt?“ Woher kommt die entsetzliche Gewalt? Ist sie individueller Natur, kommt sie aus den sozialen Umständen, aus dem Geschichtsverlauf oder ist sie ein Gesetz der Natur, weil der Mensch mit dem „Bedürfnis sich totzuschießen ausgestattet“ ist, wie der Handwerksbursche im Woyzeck lehrt.

Wenn ein Richter über ein Kapitalverbrechen urteilt, dann nimmt er eine würdigende Gesamtschau vor. Er beleuchtet den Tathergang, die Lebensumstände, die Motive, um ein gerechtes Urteil zu fällen. ………………………………………