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Mandelstams Poetik des Gehens
stündlich einen kolossalen Schaden.“ (140) Der „buddhistischen, gymnasialen Ruhe des Nominativs“ (140) setzt Mandelstam deshalb den richtungsweisenden Dativ entgegen. „Alle Nominative müßten durch richtungsweisende Dative ersetzt werden. Das ist das Gesetz der umkehrbaren und fortwährend sich wandelnden poetischen Materie, die einzig im Vollzug, im Ausbruch existiert“ (140) Was hat man sich darunter vorzustellen? Was kann es heißen, den Nominativ durch den richtungsweisenden Dativ zu ersetzen? Mandelstam führt es selbst vor, wie solch ein Vollzug der poetischen Materie auch in die Rede über Dichtung überführt werden kann. Dante bewegt sich während seiner Arbeit auf den Ziegenpfaden Italiens. Im Russischen steht an dieser Stelle ein richtungsweisender Dativ: par tropo, entlang der Pfade. In diesem Dativ, und übrigens nur im Dativ, heißt par tropo auch entlang der Tropen – die Pfade werden in diesem Fall zu Tropen. Auf ihnen bewegt sich der Dichter auf den Leser zu.
Die Spazierwege des Gedichts, das sind auch Wege der Sprache im Gedächtnis einer Kultur, in dem sich beim Gang durch Gassen Kanäle öffnen; Boote von Bildern ziehen in den Grachten des Gedächtnisses vorbei. Wer Glück hat, fischt eins auf. Das Gedicht ist für Mandelstam ………………………………………
Die Spazierwege des Gedichts, das sind auch Wege der Sprache im Gedächtnis einer Kultur, in dem sich beim Gang durch Gassen Kanäle öffnen; Boote von Bildern ziehen in den Grachten des Gedächtnisses vorbei. Wer Glück hat, fischt eins auf. Das Gedicht ist für Mandelstam ………………………………………
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Poetologie