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Mandelstams Poetik des Gehens

eine Flaschenpost. Wer es liest, lässt es aufbrechen, als zöge man die Flasche an Land, den Zettel mit der Botschaft aus der Flasche, der sich unter der Hand in ein gefaltetes Papiersegelboot verwandelt, das von einem Windstoß fortbewegt wird.

Auf Spaziergängen setzt Mandelstam die Sprache in Bewegung und er feiert die Bewegung von Körper und poetischer Sprache, indem er sie in einer Vielzahl von Spielarten erscheinen lässt, um die Entstehung von Poesie zu beschreiben: „Man muß springend einen Fluß in seiner ganzen Breite überqueren, der voll ist von beweglichen und in verschiedene Richtungen strebenden chinesischen Dschunken – so entsteht der Sinn poetischer Sprache“ (115). Poesie ist ein Aufbruch nach dem anderen. Ein Vers bricht aus, weht vorbei und geht den Leser an. Dichten heißt aber auch, den aufbrechenden Worten eine Richtung geben, die es beim Lesen zu erfassen gilt, um die poetischen Bewegungsimpulse aufzunehmen: „Das Substantiv ist das Ziel, nicht das Subjekt des Satzes. Gegenstand der Danteforschung wird einmal, hoffe ich, dies sein: das Verhältnis von Ausbruch und Text“ (175). Die Tropen sind das Transportmittel dieser Dichtung, die aus der Repression und Verfolgung der 30er Jahre hinausführen und ein Gespräch mit dem Leser über Epochen hinweg ………………………………………