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Mandelstams Poetik des Gehens

Metaphern in die Form des Verses.

Das Tempo des Gedichts ist vielschichtig. Der Spaziergang des Dichters hat sein eigenes Tempo, das auf den Rhythmus des Gedichts einwirkt. Er führt zugleich aber immer auch durch Witterungen, Hitze, Regen, Atmosphären, Luftfeuchte, Schwüle, Stürme und Gewitter, die jedem Gedicht ein eigenes Klima geben. Denn der Spaziergänger ist dem Wetter ausgesetzt, das die Kulturlandschaften, durch die er spaziert, geformt hat und das jeden Spaziergang begleitet. Tempo ist hier auch im romanischen Sinne des Wortes zu verstehen. Es meint nicht nur das Tempo der Schritte, es bezeichnet auch Zeit und Wetter, die auf den Gehenden einwirken und sich dem Gedicht einprägen wie einem Stein. Immer wieder vergleicht Mandelstam die Struktur des Gedichts mit den Schichten, Körnchen und Äderchen von Steinen. Sie verdanken sich den Ereignissen des Wetters. Das macht die Gesteinsschichten zu den Seiten eines meteorologischen Tagebuchs, angereichert mit Trockenheiten und Niederschlägen, aufgezeichnet von der langsamen Uhr der Meteoren, nach der auch die Uhr des gehenden Dichters tickt, weil sie ihm seinen Takt gibt. Der Spaziergänger Mandelstam blickt auf Steine wie auf eine Uhr, auf der man die Geschichte des Wetters ablesen kann, und er liest ………………………………………