10
18

Mandelstams Poetik des Gehens

verwunderlich, dass Mandelstam den Zusammenhang von lautlicher und semantischer Hervorbringung an Metaphern und Vergleichen veranschaulicht, bei denen Luft eine tragende Rolle spielt. Insofern verweist auch die proteische Flugmaschine auf die Luft, die sie fliegen lässt und in die sie immer neue Gebilde ausstößt wie der gehende Dichter Verse in die Luft spricht. Die Flugzeuge sind die im Gehen ausgesprochenen Metaphern, die im Rhythmus der Schritte zu Versen werden. Die Durchmischung von Luft, Laut und Metapher, die sich aus dieser Poetik des Gehens ergibt, zeigt sich ebenso, wenn Mandelstam die poetische Sprache Dantes mit Orgelpfeifen oder eine Nuance ihrer Wandlungsfähigkeit mit der „Ventilverlängerung“ vergleicht, durch die das Waldhorn entstand (123); wenn ihn die Komposition der Gesänge an den „Plan eines Luftverkehrsnetzes“ (140) oder den „unermüdlichen Umlauf der Brieftauben“ (140) erinnert. Auch die klassische poetologische Metapher des Segelns, mit der Mandelstam die Bewegung des poetischen Bildes erklärt (140), erfährt diesen zusätzlichen Akzent, da das Segeln und Kreuzen der Metaphern im Text zugleich an die Windböen des porýv denken lässt, welche die Bewegung der Metaphern vorantreiben. Daraus ergibt sich die Bewegungsform des Gedichts: In der rhythmischen Folge von Schritten und Atem des Gehenden finden die den Lippen entfliegenden ………………………………………