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Mandelstams Poetik des Gehens

Verständnis ist der Lehrer jünger als der Schüler, denn er ‚läuft schneller‘“ (118).

Der porýv – Ralph Dütli übersetzt ihn als Ausbruch – ist auch für diese zweite Linie der Poetik des Gehens von Bedeutung. Er ist kein unbewegter Beweger, sondern er ist selbst im Werden begriffen und treibt die Metamorphose der Metaphern an. „Spricht man über Dante, sollte man weniger die Formwerdung im Auge behalten als das Werden des Ausbruchs – diese textilen, segelnden, scholarenhaften, metereologischen, ingenieurtechnischen, stadtbezogenen, kleinhandwerklichen und anderen Ausbrüche, deren Liste man ins Unendliche fortsetzen könnte“ (175). Auch hier sind die Metaphern zugleich Dantekommentar und poetologische Betrachtung. Der porýv ist dynamisch und wandelt seine Formen, wie sich an den einander abwechselnden und auf einander anspielenden Metaphern zeigt, die sich durch den ganzen Essay ziehen. Neben der lautlichen Hervorbringung im Gehen verweisen also auch die Metaphern seines Dantekommentars auf Bewegung, nämlich sowohl durch die inhaltliche Evokation von Bewegung als auch durch ihren steten Wechsel. Mandelstam nennt ihn das „Gesetz der Wandlungsfähigkeit der poetischen Materie“ (147). Das Gesetz bewirkt, dass poetische Sprache ………………………………………