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Dr. Gomes
ob ich einen Aperitif wünsche. Mein Blick fiel auf die Mappe mit seinen Papieren. Womit er sich beschäftigt habe, fragte ich. „Eine Sammlung.“ Dr. Gomes schwieg. Er nestelte an der Mappe herum und bat mich ins Esszimmer. Es gab einen ausgezeichneten Loup de Mer, reichlich Wein und wir unterhielten uns über dieses und jenes. Ob er die Literatur nicht vermissen würde in seinem neuen Beruf. „Die Literatur? Keinewegs. Die Literatur ist eine Frage der Betrachtung und keine materielle Frage“, ob nun etwas aus Buchstaben auf dem Papier bestehe, sei völlig belanglos und ein vulgäres Verständnis von Literatur. Die unerhörten Begebenheiten müsse man studieren wie Handschriften Dantes. Und so begann mir Dr. Gomes die Würde des Fluglotsen zu erläutern, dieser Regiesseur einer technischen Oper, die zu bewundern die wenigsten einen Sinn hätten. „Die Simultaneität hat den Zauber der Ambivalenz.“ – „Ich gebe zu, dass mich die Arbeit belasten würde, so viel Verantwortung, so viele Passagiere, die auf dem Weg zu ihren Liebsten waren oder sie verließen, die ihrer Arbeit nachgingen und hofften, schnell wieder zu Hause zu sein, all diese Menschen, die in den Maschinen saßen und ihr Schicksal in die Hände einiger weniger legten.“ – „Ja, genau, das ist der große Reiz der Fluglotserei.“ – „Reiz?“ – „Nun, den Menschen reizt doch die Herausforderung.“ Wir unterhielten uns noch einige Stunden, ehe ich ………………………………………
Literatur
Poetologie